Pflanzenporträt: Meerrettich – eine scharfe Wurzel

Vermutlich ist der Meerrettich vielen Menschen als scharfes Gewürz bekannt. Man verwendet die Wurzel und diese wird meist in geriebener Form in kleinen Gläschen zum Verkauf angeboten. Dabei ist die scharfe Wurzel mehr als nur ein beliebtes Gewürz für Soßen, Salate, Fisch oder Fleisch. Die Meerrettichwurzel hat auch eine außergewöhnliche Heilwirkung, weshalb sie 2021 vom Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres gekürt wurde. 

Seit dem elften Jahrhundert in deutschen Gärten

Der ausdauernde und absolut winterfeste Meerrettich (Armoracia rusticana) gehört zur Familie der Kreuzblütler, die viele bekannte Gemüse wie Kohl, Brokkoli, Kohlrabi oder Rettich beherbergt. In manchen Regionen wird der Meerrettich auch „Kren“ genannt. Ursprünglich stammt er aus Südrussland und der heutigen Ukraine, wo die Wildform noch heute zu finden ist. Von dort verbreitete sich der Meerrettich schon in der Antike als Heilmittel und Gewürz in Südeuropa. Vermutlich waren es die Römer, die seinen Anbau und seine Verbreitung in ihrem Weltreich förderten. In Deutschland findet man erst ab dem elften Jahrhundert Hinweise auf die Kultivierung der scharfen Wurzel. Die heutigen Vorkommen in der freien Natur sind in der Regel Verwilderungen aus dem früheren Anbau.

Der Meerrettich kommt nicht vom Meer

Woher der Name Meerrettich kommt, wird unterschiedlich gedeutet. Die plausibelsten Erklärungen sind folgende: Meerrettich hat nichts mit dem Meer zu tun, denn er wächst weder am Meer, noch kam er übers Meer nach Mitteleuropa. Vermutlich hat der Name eher etwas mit der „Mähre“ zu tun, was eine alte Bezeichnung für das Pferd ist. Das deckt sich auch mit der englischen Bezeichnung „horseradish“, also „Pferderettich“, und mit der Tatsache, dass Meerrettich in der Tierheilkunde für Pferde Tradition hat. Eine andere Deutung geht davon aus, dass es sich um einen größeren und schärferen Rettich handle – also „mehr (als) Rettich“. Der Name Kren, der vor allem in Bayern und Österreich verwendet wird, stammt aus dem Slawischen. Es wird einerseits als Synonym für Wurzel gedeutet, könnte aber auch mit dem altslawischen Wort „krenas“ zusammenhängen, was „weinen“ bedeutet. Wer schon einmal eine frische Meerrettichwurzel gerieben hat, versteht diese Assoziation.

Ein Scharfmacher par excellence

Die weißfleischige Meerrettichwurzel ist unverarbeitet geruchlos. Erst wenn sie angeschnitten oder gerieben wird, verströmt sie den stechend scharfen Geruch, der uns die Tränen in die Augen treibt. Verantwortlich sind dafür die Senföle, die sich aber erst bei der Verletzung der Wurzelzellen durch eine Enzymreaktion bilden. Die dabei entstehende unglaubliche Schärfe ist auch der Grund, weshalb Meerrettich seit Jahrhunderten als Gewürz verwendet wird. Besonders scharf ist die rohe Wurzel, denn durch Erhitzen oder Trocknen geht die beißende Schärfe weitgehend verloren. Deshalb wird Meerrettich erst im letzten Moment warmen Gerichten beigefügt. Frischer Meerrettich eignet sich zum Würzen von Rote-Bete-Salat, Quark und Frischkäse. Außerdem dient er traditionell in Form von Meerrettich-Sauce oder Meerrettich-Sahne als Beilage zu geräuchertem Fisch, Schinken, Rindfleisch, besonders Tafelspitz, oder Würstchen. Nach dem Reiben sollten Sie den Meerrettich möglichst rasch verarbeiten, da er sich ansonsten unschön verfärbt. 

Ein kleiner Haufen frisch geriebener Meerrettich liegt neben einer Reibe und Meerrettich auf einem Holzbrett.
Gesund und würzig: frisch geriebener Meerrettich passt prima zu Fisch und Fleisch.

Die Meerrettichwurzel ist nicht nur scharf, sondern sie enthält für eine Wurzel sehr viel Vitamin C, nämlich mehr als doppelt so viel wie eine Zitrone. Außerdem finden sich darin viele Vitamine der B-Gruppe sowie die Mineralien Kalium, Calcium und Eisen. Keine andere Wurzel ist so mineralienreich. 

Die Heilkraft der Senföle

In Bezug auf die Heilwirkung sind die enthaltenen Senföle wirkungsbestimmend. Diese entstehen bei Verletzung der Zellen aus Senfölglykosiden. Die Senföle des Meerrettichs haben vielseitige Heilwirkungen. Wissenschaftlich bestätigt ist eine beachtliche antimikrobielle und antivirale Wirkung. Deshalb gilt Meerrettich als pflanzliches Antibiotikum, das bei Infektionen der Atemwege und bei Harnwegsinfektionen eingesetzt wird. Es gibt auch Studien, die eine hemmende Wirkung auf Dickdarm- und Magenkrebszellen belegen. Außerdem stärkt die scharfe Wurzel das Immunsystem. Beliebt ist als Hausmittel die Herstellung eines schleimlösenden Hustensirups aus geriebener Wurzel und Honig wie im unten beschriebenen Rezept. Äußerlich nutzt man die geriebene Wurzel als hautreizendes und durchblutungsförderndes Mittel, zum Beispiel bei Muskelschmerzen und rheumatischen Beschwerden. Die äußere Anwendung als Breiumschlag wird nur vier bis fünf Minuten lang ausgeführt, da die starken Reize zur Blasenbildung führen können. Der Brei kommt dabei auf keinen Fall direkt auf die Haut, sondern wird in ein Taschentuch gegeben. 

Was braucht es für den Meerretich-Anbau im Garten?

Damit sich die Meerrettichwurzel gut entwickeln kann, benötigt sie gut durchwurzelbare, tiefgründige Böden mit einer guten Humusversorgung. Wichtig ist vor allem eine gleichmäßige, konstante Feuchtigkeitsversorgung. Dies belohnt die Pflanze mit gutem Wachstum und entwickelt somit eine schöne Pfahlwurzel.

Meerrettich wird nicht über Samen vermehrt, sondern hauptsächlich mithilfe seiner Seitenwurzeln. Diese Seitenwurzeln, auch Fechser genannt, sind zur Pflanzzeit im Handel zu erwerben. Alternativ bieten einige Kräutergärtnereien Meerrettichpflanzen auch als Topfware an. Genutzt werden die bleistiftdicken Seitenwurzeln, die im Herbst bei der Ernte der Mutterpflanzen anfallen. Die 30 bis 40 Zentimeter langen Fechser werden dann nach der Ernte über den Winter in feuchtem Sand gelagert und im folgenden Frühjahr gepflanzt. Die beste Pflanzzeit ist von Anfang April bis Anfang Mai. 

So pflanzen und ernten Sie Meerrettich

Die Fechser pflanzen Sie im Garten im Abstand von 30 Zentimetern. Mit einem Pflanzholz wird ein leicht schräg verlaufendes Loch gestochen, in das der Fechser eingelegt wird. Das untere Wurzelende liegt dann etwa 15 Zentimeter unter der Erde, während das obere Wurzelende zwei bis drei Zentimeter mit Erde bedeckt sein soll. Werden die Fechser senkrecht statt schräg eingepflanzt, findet kaum ein Dickenwachstum statt.  Vor dem Auspflanzen reiben Sie beim Fechser alle Knospen und Wurzeln ab, mit Ausnahme der oberen und unteren drei Zentimeter. Die oberen entwickeln sich dann zu Blättern und die unteren zu Wurzeln. Durch diese Methode bekommen Sie eine schöne, unverzweigte Meerrettichstange. 

Im Sommer, im Juni und Juli, werden die Fechser dann im oberen Teil freigelegt, um die Seitenwurzeln und Seitentriebe zu entfernen und so das Wachstum der stärksten Wurzel zu fördern. Der untere Teil der Pflanze bleibt dabei in der Erde. Nach dem Entfernen der Verzweigungen bedecken Sie die Wurzel wieder mit Erde. 

Die Ernte beginnt mit Absterben der Blätter ab November. Bei der Reinigung der Stangen können Sie gleich die Fechser für das Folgejahr schneiden und einlagern. Zur Lagerung werden die Wurzeln in feuchten Sand eingeschlagen und an einen kühlen Ort gestellt. Mit zunehmender Lagerdauer geht allerdings die Schärfe verloren. Sie können die frostharten Wurzeln aber auch bis Ende Februar im Boden lassen und immer nach Bedarf ernten.

Die Blätter des Meerrettich sind groß und grün.
Sobald die Blätter des Meerrettich welken, kann man ihn ernten.

Der Meerrettich ist aufgrund seiner nahen Verwandtschaft zu Kohlgewächsen sehr anfällig gegen alle Kohlschädlinge, insbesondere gegen Erdflöhe und die Raupen des Kohlweißlings, die Löcher in die Blätter fressen.

Rezept für Meerrettich-Sahne 

Zutaten

  • 80 g frischer Meerrettich
  • 100 ml Sahne
  • 2 TL Zitronensaft
  • 1 TL Salz
  • ½ TL flüssiger Honig 

Zubereitung

  1. Meerrettich schälen und fein reiben oder mixen. Wegen der reizenden Dämpfe möglichst am Fenster oder im Freien arbeiten. 
  2. Sahne und Gewürze dazugeben und pürieren, bis eine cremige Konsistenz entsteht. 
  3. Dann in Gläser abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren. 

Hält bis zu zwei Wochen. Ideale Würze zum Grillen, als Dip oder zum Verfeinern von Soßen und Salaten. 

Rezept für Meerrettich-Honig 

(früher auch Rachenputzer genannt)

Zutaten

  • 4 EL frisch geriebener Meerrettich
  • 2 EL frisch geriebener Ingwer
  • 6 EL flüssiger Honig
  • 1 EL Zitronensaft

Zubereitung 

  1. Meerrettichstange und Ingwerknolle schälen und fein reiben. 
  2. Alle Zutaten vermischen, gut durchrühren und eine Stunde ziehen lassen. 
Die Zutaten für den Merrettich-Honig werden in einem Glasschälchen mit einem Löffel vermischt.
Der scharfe Meerrettich-Honig heizt kräftig ein.

Sie können den Honig in dieser Form einnehmen oder Sie filtern ab und nutzen nur den flüssigen Sirup. Der Meerrettich-Honig sollte nicht länger als drei Tage aufbewahrt werden. Dosierung: drei- bis viermal täglich ein bis zwei Teelöffel. Hilfreich bei Erkältungen, Husten und Bronchitis. Außerdem wird das Immunsystem gestärkt.   

 

Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Der Autor ist jedoch kein Arzt oder Apotheker. Die im Beitrag gegebenen Informationen sind nicht als Gesundheitsberatung zu verstehen. Besprechen Sie eine Anwendung der Tipps mit gesundheitlichem Bezug daher bitte mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

 

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