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Pflanzenporträt: Rucola – ein würziges Kraut mit Geschichte

Rucola ist auf einem Teller angerichtet.

Rucola (Eruca sativa) ist als Salatpflanze, Blattgemüse und Würzkraut in kürzester Zeit populär geworden. Die aus Italien stammende Gartenpflanze, die vor einigen Jahrzehnten in Deutschland noch völlig unbekannt war, ist allerdings ein ziemlich alter Bekannter! Rucola wurde nämlich vor langer Zeit schon einmal über die Alpen gebracht. Entweder von den Römern oder von den aus Italien kommenden Benediktinermönchen. Jedenfalls taucht die Pflanze, seit der ersten schriftlichen Erwähnung in der Landgüterverordnung von Karl dem Großen vor über 1200 Jahren, in fast allen mittelalterlichen Kräuterbüchern auf. Man nannte sie damals allerdings nicht Rucola, sondern Eruca oder Rauke und manchmal auch Senfrauke oder Weißer Senf.

Die Rauke war im Mittelalter eine sehr beliebte Gartenpflanze, die man entweder als Heilpflanze (siehe unten) oder als Gemüse anbaute. Vielleicht hat die Beliebtheit ja auch mit folgender Einschätzung zu tun, die der Mönch Odo Magdunensis um 1060 niederschrieb: „Und viele Ärzte und Poeten bekunden übereinstimmend, dass die Eruca, ißt oder trinkt man sie, die Liebeskraft gewaltig stärkt.“ Diese Vermutung teilt auch der berühmte Arzt und Botaniker Hieronymus Bock in seinem 1546 geschriebenen Kräuterbuch: „Eruca reizt auch in der Speis genossen zu den ehelichen Werken.“ Es ist erstaunlich, dass die so vielgepriesene Rauke dann in Vergessenheit geriet. Zum Glück wurde sie jetzt als Rucola wiederentdeckt!

Der Anbau: Rucola gelingt im Garten immer

Rucola oder Rauke ist sehr einfach zu kultivieren. Das Kreuzblütengewächs wurde schon von den alten Römern im Garten angebaut, weshalb es vermutlich auch den Artnamen sativa bekam, was „gesät, angepflanzt“ bedeutet. Die einjährige Rauke ist sehr anspruchslos und pflegeleicht. Sie ist wie das Radieschen oder die Kresse ideal für „Garten-Anfänger“.

Von April bis September können Sie laufend Saatgut für Rucola aussäen, damit immer frisches Grün vorhanden ist. Sie keimt und wächst schnell und unkompliziert. Schon nach 4–6 Wochen können Sie mit der Ernte beginnen. Der Dunkelkeimer wird maximal 1 cm tief in die Erde gelegt. Gesät wird in der Reihe, mit einem Reihenabstand von ca. 20 cm. Es lohnt sich, ähnlich wie bei der Kresse, auch eine Aussaat im Topf. Rucola benötigt eine gleichmäßige Feuchtigkeit, denn bei Trockenheit schießt er schnell in die Blüte.

Rucola hat weiße Blüten gebildet. © Rudi Beiser

Hier erkennt man sehr schön die typischen violetten Adern auf den weißlichen Blüten der Garten-Rauke (Eruca sativa).

Ernten Sie die grundständigen Blätter vor dem Austrieb des Blütenstängels, denn je älter sie werden, desto bitterer schmecken sie. Wenn sie etwa 10 cm lang sind können sie geschnitten werden. Schneiden Sie die Blätter nicht ganz tief unten an der Blattbasis ab, sodass die Rauke noch ein zweites Mal austreiben kann.

Weil Rucola ähnlich wie Spinat Nitrate anreichern kann, sollten Sie ihn im Garten nur wenig düngen und beim Kauf auf Bio-Qualität achten. Nitrat kann sich im Körper in Nitrit umwandeln und sich dann mit Aminosäuren in die krebserregenden Nitrosamine verwandeln.

Schädlinge vom Rucola fernhalten

Ein häufiger Schädling ist ein kleiner Käfer namens Erdfloh, der alle Kreuzblütengewächse zum Fressen gern hat. Er taucht vor allem bei trockenem Wetter auf und frisst dann kleine Löcher in die Blätter. Erdflöhe können Sie am besten fernhalten, wenn Sie den Boden locker und feucht halten. Auch Mulchen ist eine hilfreiche Maßnahme, denn der Schädling liebt trockene, verkrustete Böden.

Grüner Rucola wächst im Garten, die Blätter haben stellenweise kleine Löcher. © Rudi Beiser

Ob sich hier ein Erdfloh am Rucola bedient hat?

Die Verwendung von Rucola: Vom Garten direkt in die Küche

Rucola hat einen kräftigen an Kresse erinnernden scharfen, leicht bitteren Geschmack. Im Gegensatz zu Kresse besitzt er noch eine (erd)nussige Note. Frisch und roh kommt das Aroma am besten zur Geltung. Die jungen frischen Blätter eignen sich als Zugabe zu Salat, Kräuterquark und zur Verarbeitung zu Pesto. Sie können sie aber auch zu warmen Speisen geben, allerdings erst ganz zum Schluss gegen Ende der Garzeit. So nutzten Sie die Würze der Rucolablätter zu Eierspeisen, Suppen, Soßen, Reis- und Nudelgerichten und als Pizzabelag. Das Aroma der würzigen Blätter harmoniert sehr gut zu Tomaten, Mozzarella und zu Parmesan. Aus den reifen getrockneten Samen kann man einen scharfen Senf herstellen oder ein Öl pressen.

Küchentipp: Ernten Sie die Rauke immer frisch. Im Kühlschrank hält sie sich höchstens 2 Tage und zum Trocknen ist sie nicht geeignet. Sehr gut lässt sich das Aroma in Form von Pesto in Öl konservieren. Ein Rezept für Rucola-Pesto finden Sie weiter unten.

Genuss trifft Gesundheit

Rucola ist nicht nur lecker, sondern sehr gesund. Die Blätter enthalten außergewöhnlich viel Provitamin A und Vitamin C. Außerdem liefern sie viel Kalium, Calcium und Eisen. Wie alle Kreuzblütengewächse hat Rucola einen hohen Gehalt an Senfölglykosiden, die für den aromatischen und scharfen Geschmack verantwortlich sind. Die Senföle wirken antibiotisch, immunsystemstärkend und antikanzerogen. Aus Sicht der Heilkunde kann Rucola aber noch mehr: Er wirkt appetitanregend, verdauungsfördernd und harntreibend.

Rucolablätter sind nebeneinander ausgelegt. © Rudi Beiser

Die Blätter der Gartenrauke sind sehr vielgestaltig und erinnern ein wenig an Löwenzahn.

Im Mittelalter wurde die Rauke noch wesentlich vielseitiger eingesetzt. So schreibt der Arzt Leonhart Fuchs zum Beispiel: „Im Mund gekaut, zieht sie den zähen Schleim aus dem Haupt und reinigt das Hirn.“ In der damaligen Heilkunde wurden zudem noch sehr häufig die zerstoßenen Samen der Rauke verwendet.

Eine Rauke kommt selten allein: Wilde Rauke

Nun gibt es aber noch ein zweites Kraut, das unter dem Namen Rucola oder Rauke gehandelt wird, was zu Verwechslungen mit der oben beschriebenen Rauke führt. Es handelt sich um den Schmalblättrigen Doppelsamen (Diplotaxis tenuifolia), der auch Wilde Rauke genannt wird. Die Wilde Rauke kommt ebenfalls aus dem Mittelmeergebiet und verbreitete sich im 18. Jahrhundert als Neophyt in Deutschland. Im Gegensatz zu ihrer im Garten angebauten weißlich blühenden „Schwester“, hat sie gelbe Blüten. Außerdem ist sie mehrjährig, winterhart und sie hat kleinere und schmalere Blätter. Im Geschmack ist die Wilde Rauke deutlich herber, würziger und schärfer. Die Wildpflanze findet man des Öfteren an Wegrändern und auf Brachflächen. Aber Sie können sie genau wie die Rauke im Garten als Salatpflanze anbauen und in der Küche genauso verwenden.   

Rezept für Rucola-Pesto

Zutaten

  • 100 g Rucola
  • 125 ml Olivenöl
  • 50 g Parmesan
  • 2 Knoblauchzehen
  • 50 g Pinienenkerne oder alternativ Sonnenblumenkerne
  • 40 g getrocknete Tomaten
  • 5 g Salz

Zubereitung

Rucola mit dem Wiegemesser ganz fein zerkleinern und mit Öl übergießen. Dann die Knoblauchzehen dazu pressen und den frisch geriebenen Parmesan darunterziehen. Pinienkerne oder Sonnenblumenkerne in einer Pfanne ohne Fett anrösten und mit dem Wiegemesser zerkleinern. Feingeschnittene Tomaten und Salz dazugeben und zu einer cremigen Paste rühren. Das Pesto kann natürlich auch in einem Mixer hergestellt werden. Schmeckt vorzüglich zu Pasta, als Bruschetta auf Toast oder als Würze für Suppen und Salatsoßen. Hält sich im Kühlschrank 4-6 Wochen.

 

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Bildquellen

  • rucola-bluete: © Rudi Beiser
  • rucola-im-garten: © Rudi Beiser
  • rucola-blaetter: © Rudi Beiser
  • rucola: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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