Plastik, Glas, Keramik? Welcher Vorratsbehälter eignet sich für was?

Der Käse ist kurz vorm Austrocknen, der Schinken schillert in Regenbogenfarben und das Stück Sahnetorte überrascht mit leichtem Knoblaucharoma: Sehr wahrscheinlich, dass diese Lebensmittel offen oder in halb aufgerissenen Verkaufsverpackungen ihr Dasein fristen. Eigentlich gehören sie in Frischhaltedosen, Vorratsbehälter oder Wachspapier. Die haben nämlich einen Sinn: Sie schützen Lebensmittel. Nicht nur vor Fremdgeschmack. Auch vor Bakterien und Pilzen, vor Licht und Sauerstoff, vor zu viel oder zu wenig Feuchtigkeit. Unser Essen bleibt dadurch länger genießbar – und es muss weniger weggeworfen werden. Beim „Grad“ der Verpackung sind die Ansprüche verschieden: Während Obst und Gemüse im Korb liegen darf oder sich mit einem Tuch als Schutzhülle zufriedengibt, muss Fleisch – gut bedeckt oder verschlossen – in Behältern lagern, um eine Keimübertragung zu verhindern. Und Trockenvorräte müssen in jedem Fall luftdicht verschlossen auf ihren Verzehr warten. Doch worin bringt man das alles am besten unter?

Welche Lebensmittel gehören in Glasbehälter?

Vorratsbehälter aus Glas können beliebig oft verwendet werden – vorausgesetzt, sie fallen nicht herunter. Und wenn doch ein Ausrutscher passiert: Dank hoher Recyclingquote wird aus den Scherben wahrscheinlich eine neue Glasverpackung. Vielleicht ist sogar diese vermeidbar: Denn auch in alten Marmeladen-, Senf- oder Einmachgläsern lassen sich Lebensmittel beherbergen. Ob Rote Bete, Zwiebeln oder herzhafter Limburger: Glas zeigt sich selbst von eigensinnigen „Bewohnern“ unbeeindruckt. Es nimmt keine Gerüche, Farben oder Aromen an. Und umgekehrt bleibt der Geschmack der darin gelagerten Lebensmittel unverändert. Glas, so sagt man, ist chemisch inert. Selbst in Kontakt mit stark säurehaltigen Lebensmitteln gibt es keine Stoffe ab. Einziger Wermutstropfen: Häufig werden Glasbehälter mit Kunststoffdeckeln oder Silikondichtungen kombiniert, damit sie dicht abschließen und auch Suppen darin aufbewahrt werden können. Modelle mit Holzdeckeln, Gratin-Schüsseln oder abgedeckte Glasgefäße sind nicht ganz so dicht, retten plastikfreie Haushalte aber aus ihrem Dilemma.

Das offene Einmachglas ist mit eingelegtem Gemüse gefüllt.
Für viele das Material schlechthin: Glas ist chemisch inert, es reagiert also in keinster Weise mit darin gelagerten Lebensmitteln.

Haben wir schon erwähnt, dass man in Glasbehältern auch einfrieren kann? Allerdings sollten die Gläser dann nur zu Dreiviertel befüllt werden — so kann sich der Inhalt ausdehnen, ohne dass das Glas platzt.

Welche Lebensmittel gehören in Vorratsbehälter aus Edelstahl?

Nicht ohne Grund sind Türklinken und andere Oberflächen in Krankenhäusern oft aus Edelstahl. Starke Reinigungsmittel machen Edelstahl nämlich nichts aus: Es ist kratz- und abriebfest. Die metallische Oberfläche bleibt glatt und Keime haben so keine Chance, sich anzuhaften. Für die Lebensmittelaufbewahrung gesellen sich die von Glas bekannten Eigenschaften hinzu: Edelstahl ist geruchs- und geschmacksneutral, verfärbt sich nicht und gibt keinen Eigengeschmack ans Essen ab. Bruchsicher ist es auch noch, was ihm eine enorme Langlebigkeit verschafft. Wie in Glas sind darin alle Lebensmittel gut aufgehoben: Ob Trockenwaren wie Reis und Mehl, leicht Verderbliches für den Kühlschrank oder Lebensmittel zum Einfrieren.

In der Edelstahlschüssel ist ein Salat zu sehen.
Edelstahl nimmt wie Glas keinen Geschmack von den gelagerten Lebensmitteln an und ist auch für zubereitetes Obst und Gemüse als Vorratsbehälter geeignet.

Edelstahl: Das sollten Nickelallergiker wissen

Lebensmittelechter Edelstahl kommt nicht ohne Legierungspartner aus. Die wichtigsten sind Chrom und Nickel. Beide Metalle machen Edelstahl korrosionsbeständig – verhindern also, dass Lebensmittelsäuren oder Öle den Stahl „anlösen“. Weit verbreitet sind die Güten 18/8 und 18/10. Die Ziffernfolge 18/8 etwa zeigt einen Anteil von 18 Prozent Chrom und 8 Prozent Nickel. Für Allergiker ist das ein Knackpunkt. Es gibt jedoch Entwarnung: Ein Austritt von Chrom und Nickel ist selbst bei Edelstahl-Töpfen, die großer Hitze ausgesetzt sind, vernachlässigbar gering, wie ein Bericht von The European Stainless Steel Development Association darlegt. Wer als Allergiker dennoch zu nickelfreiem Edelstahl greift (darunter fällt Edelstahl der 200er-Serie), sollte darin keine stark säurehaltigen Speisen oder Getränke für längere Zeit aufbewahren. Denn ohne Nickel ist Edelstahl nur bedingt säurefest.

Ist Alufolie als Verpackung für Lebensmittel geeignet?

Verstauen Sie in Alufolie gewickelte Reste im Kühlschrank? Oder backen Sie Fisch in der Alufolie? Beides keine gute Idee. Denn in Kontakt mit Säure oder Salzen löst sich aus der silbernen Folie Aluminium. Und das geht in die Nahrungsmittel über. Unter Umständen nimmt man dann mehr Aluminium auf, als von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als tolerabel eingestuft wird. Hohe Dosen können nervenschädigend wirken und nachteilige Effekte auf die Knochenentwicklung haben, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Der Rat der Experten lautet daher: Keine salzigen oder sauren Lebensmittel in Alufolie einwickeln oder erhitzen. Dazu gehören unter anderem gepökelte Fleisch- und Wurstwaren, Laugengebäck, Sauerkraut, saure Gurken, Tomatenmark und Obst.

Wann eignet sich Kunststoff als Vorratsbehälter?

Dosen und Behälter aus Kunststoff sind leicht, bruchsicher und punkten mit enormer Vielseitigkeit: Es gibt sie in allen Größen und Varianten, sodass jede Nische im Schrank ausgenutzt werden kann. In Kunststoffdosen lassen sich im Prinzip alle Nahrungsmittel unterbringen – ob gekühlt, im Tiefkühlfach oder im Vorratsregal. Sie haben allerdings ein paar Nebenwirkungen. Zum einen nehmen sie manchmal Farbe und Gerüche der darin gelagerten Lebensmittel an. Zum anderen enthalten sie – je nach Kunststoffsorte – eine Reihe von Zusatzstoffen. Diese können sich mit der Zeit herauslösen und ins Essen übergehen.

Mehrere Plastik-Clip-Dosen stehen beisammen.
Bei Vorratsdosen aus Plastik sollten Sie sich gut über das Material informieren, um etwa Weichmacher ausschließen zu können.

In welchen Verpackungs-Kunststoffen sind kritische Stoffe und welche sind das?

Wegen ihrer hormonstörenden Wirkung besonders umstritten sind Bisphenol A (BPA) und Weichmacher, sogenannte Phthalate. Sie werden den Kunststoffen Polycarbonat (PC) und Polyvinylchlorid (PVC) beigemischt. Die Stoffe Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) hingegen kommen ohne die umstrittenen Stoffe aus. Auch wenn von offizieller Seite kein Gesundheitsrisiko durch die BPA-Exposition besteht, so rät die Verbraucherzentrale dennoch zu Vorsicht: In Behältern, bei denen nicht klar ist, um welchen Kunststoff es sich handelt, sollen keine fetthaltigen Lebensmittel aufbewahrt und erwärmt werden. Denn Fett und hohe Temperaturen begünstigen den Austritt der hormonwirksamen Substanzen. Unser Tipp: Die unterschiedlichen Kunststoffe erkennt man mit Glück an einem eingestanzten Recyclingcode.

Wie bei allen Verpackungsmaterialien verbessert eine lange Nutzungsdauer von Kunststoff dessen Ökobilanz. Ewig haltbar sind die praktischen Dosen aber nicht: Im Gegensatz zu Glas und Edelstahl kann Kunststoff „altern“, d.h. spröde und porös werden. Problematische Additive treten dann leichter aus und in klitzekleinen Rissen können sich Mikroorganismen ansiedeln. Zudem können durch Abrieb Mikroplastik-Partikel mit den Lebensmitteln verzehrt werden. Ins Alter gekommener Kunststoff sollte daher besser im Gelben Sack entsorgt werden.

Wann ist Wachspapier als Verpackung geeignet?

Im Gegensatz zu Kunststoffdosen lassen sich Gefrierbeutel und PE-Frischhaltefolie aus hygienischen Gründen meist nur einmal verwenden. Ökologisch also eine absolute Nullnummer. Eine nachhaltige Alternative sind Bienenwachs-Tücher. Damit kann man Schüsseln mit Essenresten abdecken, das Pausenbrot einwickeln oder Angeschnittenes frisch halten. Da die Tücher atmungsaktiv sind, fühlen sich besonders Obst, Gemüse, Käse und Brot darin eingeschlagen wohl – also Lebensmittel, die Luft brauchen. Selbst Einfrieren ist darin möglich. Die Tücher wirken zudem auf natürliche Weise antibakteriell und schützen so zusätzlich vor dem Verderb. Bei schonender Reinigung halten sie bis zu zwei Jahre.

Ein Brot ist in Wachspapier eingeschlagen.
Bei guter Pflege können solche Wachspapiere sehr lange im Einsatz sein.

Was lässt sich gut in Keramikwaren aufbewahren?

Ist das Steingut oder Porzellan? Spätestens bei Keramik geht die Begriffsverwirrung los. Keramik kann in der Tat vieles sein: Porzellan und Steinzeug sind typische Geschirrware. Daneben gibt es Steingut, Ton und Terrakotta. Diese sind stark porös und damit feuchtigkeitsdurchlässig. Das kommt vor allem Lebensmitteln entgegen, die ein ausgeglichenes Klima mögen: Brot, Kartoffeln und Zwiebeln etwa. Logisch also, dass es für diese Lebensmittel spezielle Keramik-Töpfe gibt. Der Topf-Deckel hält zudem jeden Lichtstrahl fern – und hindert Zwiebeln und Kartoffeln so am Austreiben.

Offenporige Keramik hat jedoch den Nachteil, dass sie sich nicht gut reinigen lässt. An der rauen Oberfläche können sich leicht Schmutz und Mikroben sammeln. Deshalb werden Zwiebeltöpfe und andere Vorratsbehälter heute meistens glasiert – das versiegelt die Oberfläche und macht sie reinigungsfreundlicher. Doch mit der Glasur schwindet auch die Atmungsaktivität. Um diese wiederherzustellen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der glasierte Behälter hat Luftlöcher oder ist mit atmungsaktiven Deckeln aus unglasierter Keramik oder Holz versehen.

Verschiedene Keramik-Vorratsdosen stehen zusammen.
Bei Keramik als Vorratsbehälter kommt es je nach Einsatzgebiet auf Glasur, Deckel und Belüftung an.

Achtung bei billiger Keramik: Es können Schwermetalle in der Glasur sein

Vor allem in farbigen Glasuren kann sich ein anderes Problem verbergen: Sie können Blei und Cadmium enthalten. Je niedriger die Keramik-Brenntemperatur, desto mehr dieser toxischen Schwermetalle können austreten und ins Lebensmittel übergehen. Zum Schutz der Verbraucher hat die EU festgelegt, wieviel Blei und Cadmium Keramik maximal freisetzen darf. Wie aus den letzten Berichten zur Lebensmittelsicherheit von Bund und Ländern hervorgeht, liegen die meisten Keramikprodukte deutlich unter diesen Grenzwerten; sind also weitgehend sicher. Allerdings ist der Mensch noch anderen Schwermetall-Quellen ausgesetzt. Die EU plant daher eine Absenkung der derzeit zulässigen Höchstwerte. Beim Kauf neuer Keramik kann man auf eine Konformitätserklärung bestehen. Darin muss der Hersteller bescheinigen, dass die EU-Richtlinien eingehalten werden. Das gilt auch für Importwaren aus Drittländern.

Vier wichtige Tipps für Lebensmittel-Verpackungen

  1. Achten Sie beim Kauf von Vorratsbehältern auf das Symbol für Lebensmittelechtheit – ein Piktogramm bestehend aus Glas und Gabel. Damit müssen alle Gegenstände gekennzeichnet sein, die für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sind.
  2. Nicht jede Kunststoffdose eignet sich zum Einfrieren und nicht jede Keramik für hohe Temperaturen. Deshalb immer darauf achten, dass die Behälter die gewünschte Anwendung „aushalten“ und entsprechend deklariert sind („spülmaschinenfest“, „hitzebeständig“ etc.). Bei falscher Nutzung ist das Risiko größer, dass sich bedenkliche Stoffe lösen.
  3. Margarinebecher oder Eisdosen sind für den Einmalgebrauch gedacht und nur darauf ist das Material ausgerichtet. Eine Weiterverwendung mag ökologisch sinnvoll erscheinen. Als „zweckentfremdete“ Materialien geben sie womöglich aber mehr ungesunde Zusatzstoffe ab, als einem lieb ist.
  4. Auf ein zweites Leben als Aufbewahrungsbehälter dürfen allenfalls leere Tee-, Kaffee- oder Keksdosen hoffen. Stahlblech – ein hierbei häufig anzutreffendes Material – ist zum Schutz vor Korrosion jedoch mit BPA-haltigen Epoxidharzen beschichtet. Eine Weiterverwendung solcher Dosen ist daher nur für trockene Lebensmittel zu empfehlen (Fett- und säurehaltige Speisen begünstigen den BPA-Austritt).

 

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