Schützt, was Ihr liebt!

Freiwilligenarbeit – Erfahrungsbericht und Tipps

Drei Menschen helfen im Rahmen ihrer Freiwilligenarbeit dabei, einen Banane Circle zu bauen.

Die Vögel beginnen zu schnattern und zu glucksen, die Morgendämmerung schimmert durch die Ritzen der Holzbalken und ich schlage meine Augen auf. Wie jeden Morgen weckt mich die Uhr des Dschungels pünktlich um sechs Uhr morgens – einen Wecker brauche ich hier nicht. Noch einmal unter der warmen Decke im Bambus-Bett umdrehen, bevor ein neuer Arbeitstag mitten im Wald in den Bergen von Costa Rica beginnt. Meine Hände für etwas Gutes in die Erde stecken – mit diesem Wunsch habe ich mich an einem kalten Novembertag dazu entschieden, dass ich für einige Zeit in einem nachhaltigen Freiwilligen-Projekt mitwirken möchte. „Weg vom Bildschirm und rein ins Leben!“, hat jede Faser meines Körpers geschrien. Nun liegt diese einmalige Erfahrung bereits hinter mir. Deshalb möchte ich meine Erfahrungen hier gern mit Ihnen teilen. Ich erzähle Ihnen, wie Sie vorgehen können, wenn Sie Freiwilligenarbeit verrichten wollen, was Sie dabei beachten sollten und was Sie erwarten wird.

Wo kann ich Projekte für Freiwilligenarbeit finden?

Das Internet bietet eindeutig die beste Möglichkeit, um weltweit nach Freiwilligen-Projekten zu suchen. Zahlreiche Plattformen bieten Projekte in den unterschiedlichsten Bereichen an. Dabei unterscheiden sich die Anbieter vor allem in einem wesentlichen Punkt: Es gibt Seiten, auf denen sich die Interessierten gegen Bezahlung eines relativ hohen Geldbetrags für unbezahlte Arbeit in Projekten bewerben können. Hier wird den Teilnehmenden ein umfassendes Servicepaket geboten: Es kann jede und jeder mitmachen, es gibt kein Bewerbungsverfahren, die Abwicklung ist schnell und es wird für alles gesorgt. 

Und dann gibt es noch die Seiten, die nach dem Schema „Work for Exchange“ funktionieren. Das heißt: Unbezahlte Arbeit wird im Tausch für eine einfache Unterkunft und Verpflegung angeboten. Auf den Seiten Workaway und WWOOF können sich Bewerber und Bewerberinnen bei Projekten auf der ganzen Welt bewerben. Voraussetzung sind die Erstellung eines persönlichen Mitgliedsprofils und die Zahlung des geringen Jahresbeitrags von meistens 30 bis 50 Euro. Diese Option erfordert einiges mehr an Eigeninitiative und Zeitinvestition. Denn ein ausführliches Bewerberprofil, eine nachhaltige sowie soziale Gesinnung und im besten Fall bereits gesammelte praktische Erfahrungen sind gewünscht.

Wann und wie lange möchte ich Freiwilligenarbeit leisten?

Bevor Sie sich zum passenden Projekt genaue Gedanken machen, sollten Sie einen passenden Zeitraum festlegen. Denn bei der Wahl des Projektes kommt es auch darauf an, wie viel Zeit Ihnen zur Verfügung steht. Hierbei dürfen Sie die Zeit der An- und Abreise nicht vergessen einzuplanen. In den meisten Projekten können Teilnehmende in einem Zeitraum von mindestens zwei Wochen bis zu mehreren Monaten mitwirken. 

Gestaltet sich Ihre Reisezeit etwas kürzer, kommen vor allem Projekte im Heimatland oder den umliegenden Ländern infrage. Haben Sie allerdings etwas mehr Zeit, können Sie auch fernere Projekte in die Auswahl nehmen. Mir standen zum Beispiel zwei Monate zur Verfügung. 

Ich hatte schon lange den Traum, durch Costa Rica zu reisen. Deshalb habe ich mich für eine Kombination aus Reisen und Arbeiten entschieden. Meine Reise begann mit einem dreiwöchigen Volunteering in einem Surfcamp an der pazifischen Küste. Anschließend ging es mit einer Reise quer durch das Land weiter. Und schließlich endete das Ganze mit drei Wochen Freiwilligenarbeit in einer Permakultur-Farm in den Bergen. 

Eine Frau kümmert sich um die Pflanzen auf einer Farm in den Bergen Costa Ricas. © Danah Ruf

Durch die Freiwilligenarbeit lernt man das fremde Land und seine Natur gut kennen.

Welche Freiwilligenarbeit gibt es?

Wenn Sie den Zeitraum für Ihre Freiwilligenarbeit festgelegt haben, können Sie zur Wahl des passenden Reiseziels übergehen. Diese Entscheidung hängt natürlich sehr stark davon ab, für welche Art von Freiwilligenarbeit Sie sich interessieren. Denn jedes Land hat durch seine Natur, die klimatischen Bedingungen, seine Kultur, die Landessprache und die gesellschaftlichen Gegebenheiten andere Schwerpunkte und Bereiche zu bieten. Ob im Tierheim, in sozialen Einrichtungen, Sprachschulen, in der Hotellerie, mit Housesitting, in nachhaltigen Projekten oder in der Landwirtschaft – Freiwilligenarbeit ist sehr vielseitig und gestaltet sich in jedem Land ganz unterschiedlich. 

Costa Rica hat zum Beispiel eine sehr artenreiche, vielseitige Natur und ist Vorreiter in Sachen Permakultur. Über dieses Thema wollte ich unbedingt mehr lernen. Außerdem fand ich es spannend, Teil eines nachhaltigen Projekts inmitten von tropischer Natur zu sein. Daher war dieses Land mit seiner großen Auswahl an landwirtschaftlichen Projekten meine perfekte Wahl. Natürlich muss man sich bei der Wahl des Freiwilligen-Projekts auch über die Gegebenheiten im Klaren sein, die einen erwarten werden. Mehr dazu erkläre ich weiter unten.

Schritt für Schritt zur Freiwilligenarbeit: So sollten Sie vorgehen

  1. Genügend Zeit für die Planung nehmen. Mindestens drei Monate sollten es in der Regel sein.
  2. Zeitraum festlegen. 
  3. Überlegen, welcher Einsatzbereich infrage kommt und welches Projekt am besten passt.
  4. Überprüfen, ob es für das gewünschte Programm Altersbeschränkungen gibt.
  5. Finanzierung planen. Die Anschaffung einer Kreditkarte fürs kostenlose Abheben von Bargeld im Ausland kann sinnvoll sein.
  6. Flug rechtzeitig buchen, wenn er nicht im Programm enthalten ist. Eventuell für die Rückkehr ein flexibles Open-Return-Ticket wählen.
  7. Prüfen, ob für das gewünschte Land ein Visum oder andere Dokumente benötigt werden und ob der Reisepass noch lange genug gültig ist (in vielen Ländern sechs Monate ab Einreise!). Genügend Zeit für die Bearbeitung Ihrer Dokumente einplanen.
  8. Wenn nötig, einen internationalen Führerschein beantragen.
  9. Kopien aller wichtigen Dokumente anfertigen und an verschiedenen Stellen im Reisegepäck verstecken. Scans in einer Cloud, im E-Mail-Fach o. Ä. sichern.
  10. Das eigene Englisch aufpolieren, z. B. in einem Sprachkurs. Am besten zusätzlich ein paar Worte der Sprache lernen, die im Zielland gesprochen wird.
  11. Kulturelle Kenntnisse über das Zielland aneignen.
  12. Um eine Auslandskrankenversicherung kümmern (ist bei vielen Anbietern verpflichtend).
  13. Gegebenenfalls eine Haftpflicht- und Unfallversicherung sowie Reiserücktrittsversicherung abschließen.
  14. Den Impfschutz ärztlich überprüfen und ggf. auffrischen lassen.
  15. Wenn möglich ein Vorbereitungsseminar besuchen.

Wie sieht mein Arbeitstag in einem Freiwilligen-Projekt aus?

Meistens besteht die Arbeitswoche aus fünf Tagen mit je fünf Arbeitsstunden. Das Wochenende ist frei und kann für Ausflüge oder zum Ausruhen genutzt werden. Vor allem in tropischen Ländern beginnt der Arbeitstag früh, da sich hier alles nach dem Rhythmus von Dschungel und Hitze richtet.

Auf der Permakultur-Farm, bei der ich als Freiwillige gearbeitet habe, sind wir morgens um sechs Uhr zusammengekommen. Nach einem köstlichen vegetarischen Frühstück, das gemeinsam zubereitet wurde, stand die Planung der Tagesaufgaben auf dem Programm. Die eigentliche Arbeit ging von acht bis 13 Uhr – unterbrochen von einer gemeinsamen Pause. Zusätzlich zu den wechselnden Tagesaufgaben gab es einen Wochenplan mit festen Diensten für uns Freiwillige. Wir mussten zum Beispiel kochen, den Kompost entsorgen, die Hühner füttern oder die Beete gießen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen haben wir den Arbeitstag dann jeweils ausklingen lassen.

Eine Frau füttert bei ihrer Freiwilligenarbeit die Hühner im Gehege. © Danah Ruf

Aus den Eier der Hühner können die Freiwilligen sich zum Frühstück luftige Rühreier zubereiten.

Natürlich gilt für ein landwirtschaftliches Projekt in den Tropen, dass die anfallende Arbeit hauptsächlich aus vielen körperlich anstrengenden Tätigkeiten besteht. Man muss Pfade und Stufen in die Hügel schlagen, außerdem stehen Sägen und Hämmern auf dem Programm. Die Machete kommt im Wald ebenfalls gern mal zum Einsatz – und das alles auch bei starker Hitze oder strömendem Regen.

Welche Standards erwarten mich in einem Freiwilligen-Projekt?

Je nachdem, für welche Art von Freiwilligenarbeit Sie sich entscheiden, werden unterschiedliche Gegebenheiten auf Sie zukommen. Da ich mich für ein landwirtschaftliches Projekt entschieden habe, wusste ich, dass mich in unberührter Natur natürlich auch andere Standards erwarten würden: ein Gemeinschaftsschlafzimmer mit vier anderen Freiwilligen in einem einfach gehaltenen Holzbungalow mitten im Wald. Eine kalte Outdoor-Dusche mit Wasser aus einer Naturquelle sowie ein Plumpsklosett aus Holz. Kaum Elektrizität, wenig Netzempfang und eine einfache Küche im Freien. Auch auf das Leben im Wald mit vielen Insekten und einigen Tierbegegnungen hatte ich mich eingestellt.

Doch gerade, weil mich dieses Projekt in vielen Situationen aus meiner Komfortzone gelockt hat, war es so ein bereicherndes Erlebnis. Schon Laozi sagte: „Das Aussortieren des Unwesentlichen ist der Kern aller Lebensweisheit.“ Vor allem, weil mein Leben auf der Farm so simpel war, bin ich sehr an dieser Zeit gewachsen und habe viel über Wertschätzung erfahren. Denn als die vielen Dinge, die ich in meinem Leben in einer Konsumgesellschaft genieße, auf einmal wegfielen, habe ich verstanden, dass ich bereits alles in mir trage, um zufrieden zu sein.

Eine Toilette ist im Dschugel in einer offenen Holzkontruktion angebracht. © Danah Ruf

Einfach aber funktional – in Freiwilligenprojekten erwarten einen meist andere Lebensumstände.

Auf der Farm habe ich größte Freude in den einfachen Dingen gefunden: bei morgendlichem Nebel mit Pfannkuchen und guten Gesprächen den Tag beginnen. Gemeinsam unter der sengenden Sonne und mit lauten Liebesliedern aus dem Radio ein riesiges Loch für ein selbst bewässerndes Bananenbeet ausheben. Nach der Arbeit verschwitzt unter die lang ersehnte kalte Dusche hüpfen. Nachmittags auf der Veranda Karten spielen. Abends über dem Holzofen gemeinsam Stockbrot backen und dem Grillenzirpen lauschen. Sich wie verrückt über ein gutes Stück Käse oder ein frisch gewaschenes T-Shirt freuen. Auf dem Weg zum Bungalow mit Staunen den atemberaubenden Sternenhimmel und die vielen Glühwürmchen betrachten. Eingemummelt im Bett und mit der Stirnlampe auf dem Kopf ein Buch verschlingen, während der Regen auf das Dach trommelt. Wenn wir zur Ruhe kommen und mit uns selbst in Verbindung sind, dann würdigen, achten und lieben wir unseren Planeten zutiefst – und alles, was in ihm lebt.

Warum kostet Freiwilligenarbeit Geld?

Während der Suche nach einem passenden Projekt taucht vielleicht auch bei Ihnen die Frage auf, warum Sie für unbezahlte Arbeit etwas bezahlen müssen. Der Beweggrund dazu kann bei jedem Projekt anders ausfallen. 

Allgemein kann man aber Folgendes dazu sagen: Freiwilligenarbeiter und -arbeiterinnen bringen für die Projektbetreibenden einen enorm hohen Zeitaufwand mit sich. Denn anders als bei Festangestellten müssen ständig wechselnde Helfende ohne passende Arbeitserfahrung immer wieder neu eingearbeitet werden. In einem gewinnorientierten Unternehmen lassen sich diese Kosten mit den Einnahmen decken, jedoch nicht in einem sozialen Projekt. Denn die meisten sozialen Projekte erzielen kaum Gewinn und widmen sich ausschließlich ihrem sozialen Zweck. Sie finanzieren sich hauptsächlich durch staatliche Unterstützung, Spenden und eben auch durch ehrenamtliche Mitarbeitende.

Wenn wir in einem sozialen Projekt mitwirken, bezahlen wir vor allem für die Möglichkeit, als Laie einen kompakten und professionell betreuten Einblick in ein uns unbekanntes Arbeitsfeld zu erhalten. Natürlich liegt die Entscheidung, wie viel wir dafür investieren wollen, bei uns. Denn wie schon genannt, lassen sich Freiwilligenprojekte in zwei Gruppen aufteilen: Es gibt die hochpreisigen Projekte mit viel Komfort oder die günstigen Projekte mit viel Eigeninitiative und einem authentischen Arbeitsumfeld.

Warum lohnt es sich Freiwilligenarbeit zu leisten?

Wenn Sie in einem nachhaltigen oder sozialen Projekt mitwirken, hat das nicht nur einen positiven Mehrwert für unsere Gesellschaft, sondern auch für Sie selbst. Der größte positive Aspekt für Sie wird vermutlich sein, dass Sie unglaublich viel Neues lernen werden: Wissen über einen bisher unbekannten Tätigkeitsbereich, praktische Erfahrungen im landwirtschaftlichen oder sozialen Feld, eine neue Sprache und neuen Input durch Menschen aus der ganzen Welt. Durch den lebendigen Austausch können Sie das gesammelte Wissen in Ihr Leben mitnehmen und integrieren. 

Die Impulse, die Sie in dieser Zeit bekommen, können Ihnen einen neuen Blick auf Ihr eigenes Leben schenken und viel Veränderung mit sich bringen. Kurz gesagt: Sie lernen sich noch mal viel besser kennen und finden in vielerlei Hinsicht mehr zu sich. Es ist außerdem eine unglaublich entschleunigende Erfahrung, die Ihnen sehr viel Wertschätzung für Ihr eigenes Leben schenken wird. Und nicht zu vergessen: ein riesiges Abenteuer, das nur darauf wartet, von Ihnen entdeckt zu werden! 

Auf einer überdachten Terasse im grünen Urwald machen drei Menschen Yoga. © Danah Ruf

Während der Freiwilligenarbeit bleibt genug Zeit für die eigene Selbstfürsorge – zum Beispiel bei der Yogapraxis.

Mein Tipp: Führen Sie unbedingt ein Reisetagebuch, um das Erlebte, Ihre Erkenntnisse und Gedanken dabei festzuhalten und zu reflektieren. Ich freue mich schon auf Ihre Geschichten!

Packliste für ein Freiwilligen-Projekt in der Natur

  • Stirnlampe
  • Gummistiefel
  • lange Socken für die Gummistiefel
  • Gartenhandschuhe
  • Sonnenhut
  • Regenjacke
  • lange, dünne Arbeitskleidung, die vor der Sonne schützt
  • warme Kleidung für kühle Nächte
  • Sonnencreme
  • biologisch abbaubare Kosmetikprodukte für die Dusche
  • Reisehandtuch
  • Moskitospray
  • wiederverwendbare Trinkflasche
  • ökologisches Waschmittel für die Handwäsche
  • Powerbank
  • SIM-Karte aus dem jeweiligen Land
  • Reisetagebuch
  • Spielkarten und Bücher

 

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Bildquellen

  • pflanzen-behandeln: © Danah Ruf
  • huehner-fuettern: © Danah Ruf
  • outdoor-toilette: © Danah Ruf
  • yoga-auf-terasse: © Danah Ruf
  • freiwilligenarbeit-in-costa-rica: © Danah Ruf

Danah Ruf ist ein alter Waschbär-Hase: Nach ihrer Ausbildung bei uns hat sie als Social Media Managerin die Social-Media-Kanäle von Waschbär betreut. Nun geht sie als Studentin neue Wege, bleibt uns dank ihrer Schreibleidenschaft als Autorin fürs Magazin aber glücklicherweise weiterhin erhalten. Als Ausgleich zum Lernen und Schreiben liebt Danah die Bewegung: ob beim Radfahren, Yoga, Wandern, Bouldern, Tanzen oder Reisen. Hat sie genug Frischluft getankt, tobt sie sich kreativ in der Küche oder am Basteltisch aus – oder sucht auf Flohmärkten nach interessanten Fundstücken mit Geschichte.

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